Lektionen in Demut

oder: Wer hoch fliegt, fällt tief


Der Samstag begann mit einem Kampf: Unerschrockene Ultimate-Spieler gegen stockbesoffene Fussballfans um den Platz im Fahrradabteil. Wir siegten und vielleicht war das schon ein Vorgeschmack auf das, was uns an diesem Tag erwarten sollte. Allerdings sollte sich das im ersten Spiel gegen Bamberg noch nicht so richtig durchsetzen. Wir gingen zwar gleich in Führung und hielten auch einige Punkte lang einen Vorsprung von zwei Punkten, aber Bamberg war heiß und wir mussten uns als Team erst finden. So nahm irgendann bei uns das Chaos etwas zu sehr überhand und die Bamberger sahen ihre Chance uns endlich zu besiegen und kämpften sich an uns ran. Für einen Sieg reichte es zwar dann für sie nicht, allerdings für ein toll erkämpftes Unentschieden. Wir waren zwar zufrieden mit dem Spiel, aber irgendwie spürte jeder von uns, dass da noch mehr drin war und unser Team mehr Potential hatte, als man auf den ersten Blick denken konnte.

Unser Team war aus einigen Gründen etwas besonderes: genau so viele Männer wie Frauen, ein alter Hase auf seinem ersten Auswärtsturnier, 1/4 Anfänger, 1/4 alte Säcke (>25 Jahre) und ein Basti. Und nachdem wir im ersten Spiel Blut geleckt hatten und wussten, dass wir hier nicht nur mitspielen würden, sondern definitiv MITSPIELEN würden, waren wir heiß auf unsere nächsten Spiele.

Heiß war auch der Tag und so waren wir froh, dass wir einen Papa dabei hatten, der aus jahrelanger Erfahrung eine Kühlbox mit Kaltgetränken und anderen Leckereien eingepackt hatte. So gestärkt gingen wir ins zweite Spiel gegen Bayreuth... und ließen sie gar nicht richtig ins Spiel kommen. Mit einem schönen und strukturierten Aufbau ließen wir sie 10:4 hinter uns.

Nach dem Mittagessen stand dann Erlangen auf dem Programm. Das Spiel fühlte sich knapper an. Teilweise glich es mehr Tennis, als Ultimate. Unsere Defence war großartig und besonders unsere Frauen glänzten gegen die Männerüberzahl der Erlanger mit tollen Aktionen. Allerdings machten wir im Aufbau auch immer wieder Fehler, was vielleicht unter Anderem an der ungewohnten "Force middle"-Verteidigung der Gegner lag. Aber trotzdem konnte nichts unseren Sieg verhindern, nicht einmal, dass einer der alten Säcke meinte, den Jungspünten mal zeigen zu müssen, was ein richtiger Mönter-Fake ist (und das gleich zweimal). Souverän gingen wir am Ende mit einem 10:3 aus dem Spiel.

Jetzt war es schon ziemlich wahrscheinlich, dass wir im Finale stehen würden. Allerdings stand noch das Spiel gegen Regensburg an, vor dem wir recht viel Respekt hatten. Nicht nur, dass auch sie nur 2 Frauen hatten, wir hatten auch den Eindruck, dass sie uns mit ihrem Spiel die meisten Probleme machen würden. Allerdings hatten wir fest vor, trotzdem alles zu geben und wenn möglich zu gewinnen. Vielleicht war es dieser Respekt, der dazu führte, dass wir wieder sehr konzentriert spielten und das Spiel einfach flutschte. Wir erreichten sogar das Point Cap und es ging glaube ich 13:6 oder so aus.

Jetzt war es sicher, dass wir im Finale stehen würden, nur noch nicht gegen wen, denn die anderen Teams lieferten sich einen harten Kampf. Nach dem Spiel Bamberg gegen Erlangen, das Erlangen für sich entschied, stand dann aber fest, dass Erlangen unser Gegner sein würde. Wir wussten, dass sie uns das Spiel nicht schenken würden und uns eine harte Revanche für ihre Niederlage liefern würden. Allerdings war glaube ich keiner von uns auf das Vorbereiten, was sich dann im Finale abspielte. Unser bisher so gut eingespieltes Team versagte auf der ganzen Linie. Scheiben wurden direkt in den Gegner geworfen (auch und gerade von Leuten, die es besser wissen sollten, der Autor dieses Textes eingeschlossen), der Stack stand - oder alle rannten gleichzeitig, Panik brach aus, als unsere anfängliche Führung dahinschmolz und Erlangen marschierte über uns hinweg und hinterließ ein Blutbad. Ich glaube, das Spiel ging 9:3 aus, aber eigentlich habe ich es bereits versucht, zu verdrängen. Ich weiß nicht, was passiert ist. Vielleicht war es einfach unsere Fitness. Vielleicht war es die Motivation der Erlanger. Vielleicht war es die Hitze, die wir nicht vertragen hatten. Vielleicht war es der Knödel und das Bier vom Beer-Race bei zwei der Spieler. Wahrscheinlich war es von allem ein bisschen. Jedenfalls stürzten wir kurz vor dem Gipfel ab und konnten leider nicht den schönen Wanderpokal mit nach Würzburg bringen. Erlangen siegte komplett verdient aber wir hätten ihnen schon gerne zumindest noch einen härteren Kampf geliefert.

Obwohl auf der Heimfahrt der Frust über das letzte Spiel den Tag überschattete, sollten wir allerdings nicht die großartige Leistung vergessen, die davor erbracht wurde. Besonders unsere Frauen und unsere Anfänger sollten echt stolz auf sich sein für das, was sie gezeigt haben. Das Team war einfach homogen und es hat wahnsinnig Spaß gemacht, mit allen zu spielen.

Der Kreis schloss sich und der Tag endete, wie er angefangen hatte: mit dem Kampf gegen betrunkene Fussballfans im Zug... nun, nicht ganz, denn zumindest manche von uns beendeten den Tag ungleich gemütlicher bei einer leckeren Pizza.

Bleibt nur nochmal danke zu sagen: an das Team für die tollen ersten 4 Spiele, an Bamberg für das schöne Turnier, an die Natur für das schöne Wetter und an Erlangen für die Lektionen in Demut und die Erkenntnis, dass wir alle noch an unserer Kondition arbeiten können.

Ein Augenzeuge


Nachtrag: Die letzten Fußballer ("Kennt ihr schon Mr. Popo?") sind in Aschaffenburg ausgestiegen. Und ich glaube, dass es eher der Kopf als der Körper war - zumindest aber eine Mischung aus beidem. Hätten wir den langen Punkt zum 3-1 gemacht, statt den Ausgleich zu kassieren, wäre das Finale vielleicht anders ausgegangen. Wir haben es halt nicht geschafft, den Schalter nochmal umzulegen. Trotzdem ein schönes Turnier mit zum Teil sehr souveränen Siegen und einem Disc-o-Fever-Team, das noch viel Spaß haben kann (inklusive der alten Säcke ;)). Auch nicht zu vergessen: Wir haben sogar mal eine Zone ausprobiert. Und Isa hat sich zu einem Dive durchgerungen, um zu punkten.

Noch einer, der dabei war.
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