Am Samstag machten sich in aller Frühe - beim Aufstehen war es noch dunkel, wie schrecklich - 4 Discos, namentlich Kaya, Manu, Chris, Jonas und (Mitte-)Jan auf gen Erlangen. Kalt und ungemütlich war es bei der Ankunft, aber man konnte doch eine gewisse Aufregung spüren. Unsere Mitstreiter von der Bamberger Wurfkultur (Sonja, Susanne, Daniel, (Laber- bzw. Schwanen-)Jan und Duracell-Johannes) waren schon beim zweiten Frühstück. In Anbetracht Bamberger und Würzburger körperlicher Schwäche (gute Besserung an Johannes und vor allen Dingen Maggus) entschieden wir uns, noch zwei Bayreuther Baybees (Christian und Jakob) in die Frankenauswahl zu integrieren. Das Projekt Diskultur (oder auch Discokultur bzw. einfach nur "Yes we can!") konnte beginnen. Zum Einspielen musste ein Endzonen-Drill genügen, bevor es gegen den türkischen Meister Türk Kasi ("Dicker Bauch") Istanbul ging. Sonja konnte zwar gleich den Startpunkt einer unglaublichen Serie von 6 gewonnenen Flips setzen, trotzdem kassierten wir schon mit dem ersten Pass einen Turn. Anfängliche Abstimmungsschwierigkeiten oder Probleme mit dem übers ganze Wochenende kräftig blasenden Wind? Überhaupt nicht! Durch den Scheibenverlust angestachelt konnten wir die Scheibe sofort zurückerobern und gegen eine recht lockere Defense schnell ein paar einfache, aber schöne Punkte erzielen. Nach dem 4-0 berappelten sich die Türken (+ Amerikaner + Roberti) jedoch und konnten auf 4-2 verkürzen. Den Vorsprung konnten wir bis zum Ende halten, wenn es denn nötig war aneinander sowie an den regnerisch saftigen Rasen gewöhnen. Türk Kasi ist übrigens das einzige türkische Team.
Im zweiten Spiel ging es gegen die ungleich schwerer zu spielenden Tiefseetaucher aus München. Gewarnt von einer Lehrstunde in Jena vor einem guten Jahr, bei der sie uns (Disc-o-Fever) gefühlte 10 Punkte nach einem Breakpass zur Eröffnung eingeschenkt hatten, setzten wir ganz auf eine gnadenlose Manndeckung. Der Gegner tat es uns gleich, sodass das Spiel vor allen Dingen von vielen im Wind verlorenen Scheiben geprägt war. Einen Punkt in Front gelang uns das Kunststück, in den letzten 3 Pässen einen Turn zu kassieren. Der lange allerletzte Pass der Tiefseetaucher schwebte dann aber über eine riesige Spielertraube in unserer Endzone sanft zu Boden, sodass wir einen glücklichen, aber nicht unverdienten 6-5 Sieg einfahren konnten. Damit hatten wir uns eine gute Ausgangsposition erarbeitet, um als eine der vorderen drei Mannschaften unserer Vorrunde in den oberen Pool einzuziehen. In Anbetracht von 5 1/2 Anfängern im Team konnte das wohl als unausgesprochene Zielsetzung gelten.
Obwohl weder die Bamberger noch ein guter Teil unserer Anfänger jemals zuvor eine Zone gespielt hatten, beschlossen wir, angesichts des weiterhin böigen und drehenden Windes trotzdem unser Glück damit zu versuchen. Opfer wurden auf ihrem zweiten Rasenturnier die Wuppertal Caracals (mit Hallenser Unterstützung). Deren Trainer hatte darauf bestanden, zunächst die Basics zu unterrichten und erst im nächsten Jahr die Zone auf den Lehrplan zu setzen. So hieß es am Ende 14-5 für uns. Ganz zufrieden waren wir mit dieser Taktik jedoch nicht, da es an Personal für gleichzeitig einen laufstarken Cup sowie erfahrene Fischer in der Tiefe+Mitte fehlte. Am Taktikboard wurde deshalb der Grundstein für den späteren Turniererfolg gelegt. Johannes und die Bayreuther weihten uns in die Geheimnisse des Hallenser Riegels ein, der selbigen immerhin zum DHM-Titel gereicht hat und auch uns einen deprimierenden Start in das Turnier in München bescherte. Letztlich eine Zone, bei der der Cup eine Manndeckung spielt. Mehr dazu im Training und, da bin ich mir sicher, spätestens auf der DM!
Im letzten Spiel des Tages gegen die Spielgemeinschaft Frank(furt-Regens)burg probierten wir den Riegel das erste Mal und noch etwas skeptisch aus. Nachdem wir also im vierten Spiel zum ersten Mal in Rückstand gerieten, mussten wir uns auf das zweite Ziel des Wochenendes besinnen, nämlich etwas zu lernen. Und siehe da, beim Stand von ca. 6-3, wenn nicht gar 7-4, war die Taktik gefechtsreif und ließ uns binnen weniger Minuten zum 7-7 ausgleichen und sogar in Führung gehen. Die Frankburger - mittlerweile weiß auch Kaya, wo das liegt :) - schafften kaum noch mehr als 5 Pässe, bevor wir die Scheibe erobern und mit unserer sicheren Offense punkten konnten. Zum Abschluss des Tages konnten wir so ein 9-8 erreichen, zwei Siege mit in den oberen Pool nehmen und den Gruppensieg feiern. Das taten wir dann auch so gut es ging nach einem deftigen gemeinsamen Spanferkelessen in der Partylocation und einem leckeren Eis als Nachtisch bei einem Italiener, zu dem uns der mittlerweile ortskundige Neville führte. Zurück auf der Party mussten wir feststellen, dass selbige noch nicht in Gang gekommen war. Auch wenn Augen- und Ohrenzeugen berichten, wir hätten die beste Erlanger Party erlebt, wurden immer wieder Stimmen laut, die einen DJ Gerald forderten. Um nicht völlig unverrichteter Dinge ins Bett gehen zu müssen, wurde Sonja zum DJ beordert. Der hatte zwar keinen Marley-Bob zu bieten, konnte aber doch animiert werden, tanzbarere Musik zu spielen. Die Tanzfläche im Herz-Jesu-Pfarrsaal wurde geschlossen geentert (Verteidiger waren keine da) und wir konnten schnell einige Mitstreiter gewinnen. Besonders Neville tat sich durch hemmungslose Darbietungen hervor. Für eine richtig gute Party war der Zug aber schon abgefahren. Spaßiger war es am 6-Stangen-Kicker im Keller der KHG, die das Nachtlager zur Verfügung stellte.
Die typischen Sonntag-morgen-Erscheinungen blieben aus und wir versuchten es gegen die Gastgeber erneut erfolgreich mit dem Riegel. Das Ergebnis ist mir entfallen, aber ich glaube, am Ende stand ein knapper Zweipunktesieg für uns, den wir uns aber mit einer souveränen Offense und einer ebenso engagierten Defense redlich verdient hatten.
Im zweiten Spiel des Tages hatten wir gegen Mother-"who's got the"-Tongue Gelegenheit, gleichzeitig den Finaleinzug vorzeitig perfekt zu machen und uns (naja, Manu und ich zumindest) für die drei Wochen zurückliegende unnötige Niederlage beim Poolimate zu revanchieren. Persönlich hatte ich mich ganz besonders darauf gefreut, gegen dieses sympathische Team zu spielen. Erstaunlicherweise kamen sie überhaupt nicht mit dem Riegel klar und ihre alten Handler-Hasen ließen sich immer wieder von unseren Anfänger-Marker unter Druck setzen. Vermutlich hatte jeder einzelne Handler mehr, wenn nicht doppelt so viele, Frisbee-Jahre auf dem Buckel als unsere Marker zusammen. Mit schönem, schnellem Ultimate konnten wir einen 12-5 Sieg einfahren. Damit war die nicht für möglich gehaltene Finalteilnahme im Sack und auch das Maximalziel erreicht.
Das letzte Poolspiel gegen die Münchener Wegwerfgesellschaft wollten wir ernsthaft, aber entspannt angehen, um Kräfte für das direkt im Anschluss stattfindende Finale zu sparen. Da hatten die Spielplanmacher es ganz besonders gut mit uns gemeint und tatsächlich fast zwei Stunden am Stück "Ultimate pur" angesetzt. Zum Auftakt wurde es dann doch "etwas emotional", sodass wir uns gezwungen sahen, den Wegwerfern einen Punkt zu schenken, vor allen Dingen aber auch ihrem Namen alle Ehre zu machen. Sarkasten bezogen die "Jaaa, Wegwerfer"-Rufe von der sideline auf beide Teams. Schließlich konnten wir uns dann aber doch am Riemen reißen und mal wieder basierend auf der überragenden Defense einen 11-8 Sieg erzielen.

Das Finale gegen Frankburg war dann fast eine Kopie des Vorrundenspiels vom Vortag, wenn auch auf höherem Niveau. Wir hatten den Riegel besser verinnerlicht und der Gegner sich adäquate Gegenmaßnahmen überlegt. Wieder brauchten wir in bester Disc-o-Fever-Manier eine Zeit, um in Fahrt zu kommen. Es gab einige sehr lange Punkte und viele unnötige Turns auf beiden Seiten. Beim Stand von 7-4 nach ca. 35 Minuten konnten wir endlich den Schalter umlegen und nach schönen Defenses mit schnellen Punkten sogar 8-7 in Führung gehen. Beim Stand von 10-9 eine Minute vor Schluss verloren wir dann aber doch zu wenig abgebrüht die Scheibe und mussten Sekunden vor der Schlusssirene den Ausgleich zum 10-10 hinnehmen. Es folgte einer der intensivsten Punkte, die ich je gespielt habe. Beiden Mannschaften merkte man die Strapazen von 8 langen Spielen und die Nervosität an. Beide standen je 3x mit der Scheibe vor der Endzone, konnten aber nach Fangfehlern und Defensedives nicht den entscheidenden Punkt erzielen. Endlich schlug dann die Stunde des Duracell-Johannes. Zuerst verhinderte er mit einer Hinterkopfdefense (war es wirklich so?) in der Endzone den Frankburger Punkt. Jakob kam schnell an die Scheibe, versuchte es trotz bereits gefühlten 5 Turns pro Seite in dem einen, allesentscheidenden Punkt mit einer langen Rückhand und Christian tat das, womit er das ganze Wochenende schon seine Gegenspieler zur Verzweiflung getrieben hatte und fing das Ding tatsächlich - einen Meter vor der Zone. Dem 60m-Sprint des Duracell-Hasen hatte dann kein Gegner etwas entgegenzusetzen, sodass wir tatsächlich den Punkt zum 11-10 erzielen konnten. Der Rest war Jubel!

Unter den Tisch gefallen ist jetzt, dass Sonja sich um selbigen geschwungen hat, um dann in Wahnsinnsgeschwindigkeit ein Bier herunterzustürzen, während ich mit dem Entpacken eines Tampons so meine Probleme hatte. Trotzdem konnten wir so neben dem Turnier auch noch das Beerrace gewinnen.

Ein unglaublich schönes Wochenende, bei dem nicht nur die Anfänger viel gelernt und große Fortschritte gemacht haben. Für eine Wiederholung des Spektakulums wird sich in Zukunft der Fränkische Frisbeeverband e.V. & Co KG kümmern.

Erledigt aber zutiefst zufrieden,
Jan

PS: Dave und Julia waren auch da.

Ergänzung vom Hasen:

Schöner Turnierbericht, nur zwei kleine Korrekturen (welche du aber nicht machen musst, gibt es halt 3 verschiedene Geschichte):
1. Es war defintiv keine Hinterkopfabwehr beim letzten Punkt, sondern eine klassische Arme-vor-und-losstolpern-und-ganz-fest-hoffen-Abwehr.
2. Ich behaupte ja, dass der letzte Pass auf mich von dir kam. Sonja sagt, dass es Jakob war. Ich kann dir auf jeden fall versichern, dass es aber nicht Christian war, weil der Punkt mit dem kurzen Pass von Christian war ein andermal.

Ich meine, dass ich neben dir im Aufbau gestanden habe. Du hattest die Scheibe und, im Gegensatz zu mir, einen Gegenspieler.
Völlig frei dachte ich mir: "Toll, die ganze rechte Seite ist frei. Renn ich hin." Bin danach gerannt und habe prompt eine recht steile lange Vorhand hinterher geschmissen bekommen.
Hatte übrigens Glück, denn einen geordneten Stack gab es zum Zeitpunkt meiner Entscheidung schon, aber auf die rechte Seite wollte aus mir unbekannten Gründen niemand, obwohl diese Seite offen war.

Liebe Grüße
Johannes
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