Wir sind Helden - DHM 2007 in Bremen


Die Erwartungen waren hoch gesteckt. Nachdem wir uns Jahr für Jahr bei der DHM ein bisschen hochgearbeitet hatten und letztes Jahr das Siegertreppchen nur knapp verpasst hatten, lag die Anforderung, uns wieder zu steigern, wie eine schwere Last auf uns. Herr Haubenthal hatte es auf den Punkt gebracht: wenn wir was schlechteres machen würden als den fünften Platz, bräuchten wir ihm erst gar kein Bild zu schicken. Aber auch mit den eigentlich positiven Gesten bekamen wir zu verstehen, das viel von uns erwartet wurde: wir reisten nun nicht mehr mit VW, sondern mit Mercedes und auch unsere Spielerpauschale war plötzlich angestiegen (manche glauben auch, dies stehe in Verbindung mit den eingeführten Studiengebühren, aber das hält der Autor für Wunschdenken).

Wie auch immer, wir wussten, dass wir vor einer harten Herausforderung standen und da war es keine Hilfe, dass einer unserer besten Spieler sich noch in der Woche vor dem Turnier verletzt hatte und ein anderer beschlossen hatte, lieber das Southside Festival als Bremen zu rocken. Doch zehn mutige Recken machten sich dennoch auf, eine der begehrten Siegernadeln zu erobern.

Freitag abend kamen wir (abzüglich Flo und Kinne, die erst am Samstag nachkommen sollten) nach traditionellem Abendessen bei Burger King und einer Stadtrundfahrt durch Bremen ("Guck mal, da ist schon wieder der Bahnhof!") gut und sicher am Ziel an (ein ganz dickes Danke hier an Meu, der die gesamte Hin- und Rückfahrt alleine hingelegt hat). Und als mit gewohnter Präzisionsarbeit die Zelte aufgebaut waren und wir das obligatorische Willkommensbier getrunken hatten, fielen wir auch schon ins Bett - wir wollten ja fit sein für den nächsten Tag.

Der Samstag Morgen startete dann mit einer Höchstleistung von Seiten des Teams. Alle MÄNNER des Teams saßen schon um 7.30 Uhr vor dem Frühstücksraum, noch bevor dieser offen hatte. Sogar die noch fehlenden beiden Nachzügler kamen vor der Öffnung an. Die Frauen kamen dann ca. eine halbe Stunde später, was aber für sie auch eine Meisterleistung war. ;)
Das ungewohnt luxuriöse Frühstück (Rührei!) schaffte dann die besten Voraussetzungen für einen gelingenden Turniertag.

Unser erster Gegner war Kassel. Wir wussten, dass wir dieses Spiel von Anfang an in die Hand nehmen mussten und es auch nicht mehr hergeben durften. Dies gelang uns auch sehr gut. Wir waren am Anfang das deutlich wachere Team und konnten Kassel mit unserer Magischen Zone (TM) einschüchtern. In den letzten Minuten ließ bei uns etwas die Konzentration und damit auch die Spielqualität nach, aber trotz allem konnten wir noch einen deutlichen Sieg für uns verbuchen (15:7).

Beim Aufwärmen in der Kabine (es regnete ununterbrochen und war nicht wirklich warm) freundeten sich ein paar von uns mit den Tiefseetauchern aus München an, die in der Nachbarkabine saßen. Es fing an mit einer gemeinsamen Darbietung von "Weine nicht, wenn der Regen fällt", steigerte sich über eine spontane Tanzeinlage zu "It's raining men" von Seiten der Münchner und kulminierte schließlich in einer Polonaise durch Kabine und Dusche. Alles in allem beste Pausenunterhaltung. Und den Rest des Turnieres hatten wir immer Freunde, die uns anfeuerten. :)

Münster, das dritte Team in unserem kuscheligen kleinen Vorrundenpool war eine große Unbekannte für uns. Wir wussten, dass sie teilweise ein echt gutes Team haben können, hatten aber keine Erfahrung mit ihrer Hochschulmannschaft. Im Laufe des Vormittags stellte sich heraus, dass Münster zu verspätet und nur zu siebt angereist war, da ihr achter Mann sie versetzt hatte. Da sich für sie damit schon das Spiel gegen Kassel verzögerte, hatten sie vor unserem Spiel nur noch eine kurze Pause. Dementsprechend hatten wir einen großen Vorteil ihnen gegenüber, der sich im Spiel dann auch bemerkbar machte und sich am Ende in einem 15:0 niederschlug. Ich denke, wir hätten auch ohne diese Vorteile das Spiel für uns entschieden, aber es wäre wohl nicht so klar ausgegangen - schade Münster.

Da dieses Jahr nur 18 Teams teilnahmen, bedeuteten diese beiden Siege bereits, dass wir im Viertelfinale waren. In der Zwischenrunde wurde nun entschieden, gegen wen wir dort spielen würden. Dort standen zwei Gruppenerste aus anderen Pools auf dem Programm, nämlich Göttingen und Aachen. Das Spiel gegen Göttingen war das am härtesten umkämpfte für uns - und im Nachhinein wohl auch das wichtigste, denn eine Niederlage hätte bedeutet, dass wir schon im Halbfinale auf unseren späteren Bezwinger - Aachen - getroffen wären. Bis zum letzten Punkt schenkte keines der beiden Teams dem anderen irgendetwas. Und am Ende gewannen wir es haarscharf mit einem Punkt Vorsprung (11:10).

Beim Spiel gegen Aachen waren wir dementsprechend auch nicht mehr so richtig fit, weshalb wir es recht locker angehen ließen. Erstaunlicherweise schien das gut zu funktionieren und wir hatten bald eine 2:0 Führung in der Tasche. Danach fingen die Aachener allerdings an, aufzudrehen und wir bauten immer mehr ab (Joscha und Tobi fielen irgendwann dann sogar wegen Verletzung aus, sodass Würzburg nur noch 8 Spieler zur Verfügung standen). Am Ende kam dabei ein respektables 14:6 raus, was durchaus mehr war, als wir von dem Spiel erwartet hatten.

Am Abend fuhren wir dann einmal quer durch Bremen um in einem schnuckeligen kleinen Restaurant zu abend zu essen. Ein Schulkamerad von Jörn hatte sich extra mit ihm in der Straßenbahn getroffen (auch wenn er von der Verabredung gar nichts wusste), damit er uns diese Gaststätte empfehlen konnte. Vielen Dank nochmal dafür!
Der eigentliche Grund für die weite Fahrt war aber die Party. Allerdings erwiesen wir uns als ziemliche Partyloser (der werte Leser weiß warscheinlich, dass der demütige Autor sowieso ein Partyloser ist, aber diesmal waren es eigentlich alle) und verabschiedeten uns schon nach dem ersten Bier wieder, noch bevor die Party überhaupt richtig begonnen hatte.

In der Straßenbahn empfahl uns eine hilfsbereite Bremerin dann noch eine "Abkürzung" zu unserem Zeltplatz, die dazu führte, dass wir uns plötlich auf dem Autobahnzubringer wiederfanden (manche meinen auch, wir wären einfach falsch abgebogen...). Immerhin kamen wir dennoch an unserem Ziel an und nach so viel Aufregung schliefen wir auch sofort ein.

Am nächsten Morgen hatten wir wieder das erste Spiel - diesmal gegen Kaiserslautern. Auch diesen morgen schafften wir wieder die Glanzleistung, so früh wie geplant beim Frühstück zu sein und uns danach sogar noch ordentlich warm machen zu können. Nicht selbstverständlich am Sonntagmorgen. Dementsprechend verlief auch das Spiel ganz nach unseren Wünschen und auch wenn wir immer noch so manche Sonntagmorgenfehler machten, konnten wir doch einen klaren Sieg davontragen (15:7).

Schon wenig später stand das Halbfinale gegen Dresden an. Wir wussten, dass dies kein einfaches Spiel werden würde und waren entsprechend heiß. Gleich zu Anfang konnten wir uns dann auch einen Vorsprung sichern und schafften es, diesen auch über das gesamte Spiel ziemlich zu halten (auch wenn Dresden zwischenzeitlich nochmal ran kam). Mit dem Spiel gegen Göttingen war dies wahrscheinlich unser bestes und natürlich auch wichtigstes Spiel. Dementsprechend ließen wir es uns auch nicht nehmen, nach dem letzten Punkt einen kleinen Siegestanz aufzuführen ("Fiiinaale -- oh-oh, Fiiinaale -- uhoh-oh-oh!"). Aber auch die Dresdner vergaßen wir nicht und packten mit ihnen zusammen nach dem Spiel die ganz große Nachdemspielspielekiste aus (ich glaube, wir kamen auf insgesamt drei Spiele, zwei von uns, eins von Dresden). Um das nicht unerwähnt zu lassen: wir spielten natürlich auch mit allen anderen Teams. Man muss gute Traditionen ja hochhalten.

Jetzt hatten wir lange Zeit, uns mit dem Gedanken anzufreunden, im Finale zu stehen. Irgendwie konnte keiner von uns so richtig glauben, dass wir eine Chance hätten, auch wenn einige es mit aller Kraft versuchten. Außerdem hatte Kinne sich ziemlich am Anfang des Spiels gegen Dresden noch das Knie verletzt, sodass wir im Finale mit 9 Spielern gegen 13 Aachener antreten würden. Wir beschlossen, unser Bestes zu geben und uns vor allem den Spaß nicht nehmen zu lassen. Dies machten wir schon beim ersten Anwurf klar, den wir auf beste Disc-o-Fever-Weise anforderten (linke Hande in die Hüfte, linkes Bein gestreckt, rechte Hand nach oben, Zeigefinger durchgestreckt). Schon dafür ernteten wir den ersten Applaus ohne dafür viel getan zu haben. Leider gab es in den nächsten Minuten auch nicht viel Anlass für Applaus (bei Aachen blieb dieser nämlich gänzlich aus. Die brauchen das auch nicht mehr...), denn Aachen packte eine fiese Zonenverteidigung mit 4-er-Cup aus und wir reagierten darauf ein bisschen wie eine Maus, die von einer Katze angegriffen wird. Gut, wir stellten uns nicht tot, aber unsere Versuche, durchzukommen waren leider auch nicht viel effektiver, als wenn wir es getan hätten und so führte Aachen schon bald mit 5:0. Es zeugt für unseren Kampfeswillen, dass wir dennoch nicht aufhörten zu kämpfen und schließlich sogar bei einigen Punkten nochmal ein paar Glanzleistungen zeigen konnten - immer begleitet vom Applaus der Zuschauer. Das Ergebnis (15:6) war dann auch nicht komplett niederschmetternd, das Spiel hinterließ aber trotzdem irgendwie das Bewusstsein, dass wir noch viel zu lernen haben, bevor wir endlich die silberne Scheibe aus der Tyrannei der Aachener befreien und zu uns nach hause holen werden können.

Trotz allem war es toll, im Finale zu stehen und besonders der demütige Autor, dessen DHM-Karriere nun vorbei ist, war glücklich, doch noch die ersehnte Nadel bekommen zu haben.

Die größte Leistung aus unserer Sicht war allerdings, dass wir nicht nur DHM-Vizemeister geworden sind ("Vizemeister, Vizemeister, hey, hey, hey"), sondern zusätzlich auch noch Vizemeister bei der Spirit-Wertung ("Vizemeister, Vizemeister, hey, hey, hey"). Wir nehmen das mal als Hinweis, dass wir wirklich was Besonderes haben beim Würzburger Ultimate und der Autor hofft, dass das auch weiterhin so bleibt.

Nach der Siegerehrung fand dann noch ein abschließendes Beer-Guts gegen die Münchner statt, bevor wir den langen Nachhauseweg antraten. Natürlich durfte auch hier ein Abstecher zum Burgermeister nicht fehlen.

Bleibt mir nur nochmal danke zu sagen an das spitzen Team. Danke für die tolle Stimmung. Danke für die exzellenten Leistungen (hier seien nochmal besonders unsere Frauen erwähnt, die großartig gespielt haben und wieder mal gezeigt haben, dass sie auch gegen Männer spielen können. Außerdem auch Basti, der absolut sicher und nie wie ein Anfänger gespielt hat und uns eine riesen Unterstützung war, aber natürlich auch alle anderen, die für dieses tolle Ergebnis gekämpft haben). Danke, dass ihr mir auf die Treppe verholfen habt! Ihr seid Helden! Ich liebe euch alle!

Ein ganz dickes Danke hier auch nochmal an die Omas von Anne und die Eltern von Joscha, die uns mit reichhaltigen Speisen und Getränken versorgten. So einen tollen Service habe ich noch auf keinem anderen Turnier erlebt!

Ein Held



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